Eingefrorene Wasserleitung richtig behandeln

Der Hahn gibt nur noch ein Zischen von sich, und kein Tropfen kommt. In Nordhessen sind Frostnächte im Winter keine Seltenheit, und besonders Leitungen in Nebengebäuden, Kellern und Außenwänden sind betroffen. Mit Ruhe und der richtigen Reihenfolge lässt sich meist Schlimmeres verhindern.
Fachbetrieb vermitteln lassen: 01579 2841434
Woran Sie eine gefrorene Leitung erkennen
Das deutlichste Anzeichen ist ein Wasserhahn, der trotz geöffneter Armatur nichts oder nur sehr wenig liefert, während andere Zapfstellen im Haus noch funktionieren. Häufig ist dann genau die Leitung betroffen, die an einer kalten Außenwand, durch einen unbeheizten Raum oder durch den Keller verläuft. Je früher Sie die betroffene Stelle eingrenzen, desto gezielter können Sie handeln und desto geringer ist das Risiko eines Folgeschadens.
Manchmal hören Sie ein Knacken oder Gurgeln in der Wand. Auch sichtbare Reifbildung auf einem freiliegenden Rohr oder ein vereister Wasserzähler im Schacht sind Hinweise. Prüfen Sie zunächst, ob die Hauptleitung frei ist und nur ein Strang betroffen ist, das hilft später bei der Eingrenzung der Stelle. Notieren Sie, welche Zapfstellen noch laufen. Daraus ergibt sich oft ziemlich genau, welcher Leitungsabschnitt zugefroren ist.
Erste Schritte, bevor Sie auftauen
Öffnen Sie den betroffenen Hahn ein Stück, damit entstehendes Tauwasser abfließen kann und sich kein neuer Druck aufbaut. Kontrollieren Sie dann das Rohr gründlich auf Risse, Wölbungen oder Feuchtigkeit. Gefrierendes Wasser dehnt sich aus und kann Leitungen sprengen, ohne dass es umgehend auffällt, weil das Eis die Öffnung zunächst verschließt. Legen Sie vorsorglich Eimer und Tücher bereit, falls beim Auftauen Wasser austritt. Dann können Sie rasch reagieren, ohne erst suchen zu müssen.
Sehen Sie einen Riss oder Wasseraustritt, sperren Sie das Hauptabsperrventil ab, das in Fließrichtung vor dem Wasserzähler sitzt. Wo es liegt und wie Sie es prüfen, erklärt der Beitrag Hauptabsperrventil finden und prüfen. Danach rufen Sie einen Fachbetrieb, statt die Leitung weiter zu erwärmen.
Vorsichtig auftauen, aber nie mit Flamme
Zum Auftauen eignen sich ein Föhn auf niedriger Stufe oder warme, feuchte Tücher, die Sie um das Rohr wickeln. Beginnen Sie an der Seite, die dem Hahn am nächsten liegt, und arbeiten Sie sich langsam zur Quelle der Kälte vor. So kann das Tauwasser abfließen. Geduld ist wichtiger als Hitze. Kontrollieren Sie währenddessen immer wieder, ob Wasser austritt. Sobald es wieder fließt, lassen Sie den Hahn einen Moment offen, damit die Leitung durchgespült wird.
Offene Flammen sind tabu, also kein Gasbrenner, kein Heißluftgebläse mit hoher Stufe und kein Feuerzeug. Sie beschädigen Kunststoffrohre und Dichtungen, können Dämmung entzünden und Metallrohre so schnell erhitzen, dass heißer Dampf entsteht. Auch heißes Wasser aus dem Kocher direkt auf das Rohr gegossen ist keine gute Idee, weil es bei Rissen Schäden vergrößert. Bei Leitungen in der Wand oder unter dem Estrich kommen Sie so nicht an die Stelle. Dann ist es sinnvoll, die Wärme von außen ins Zimmer zu bringen und eine Fachkraft zu holen.
Wenn das Rohr schon geplatzt ist
Taut die Leitung auf und Wasser tritt an einer Stelle aus, ist das Rohr gerissen. Hier ist Eile geboten, denn aus dem Riss fließt unter Druck viel Wasser. Sperren Sie zuerst das Hauptabsperrventil. Danach öffnen Sie die tieferliegenden Zapfstellen, damit die Leitung leerläuft. Wichtig ist auch, den Wohnbereich zu schützen. Stellen Sie elektrische Geräte außer Reichweite und decken Sie empfindliche Böden mit Folie oder Tüchern ab.
Befindet sich Wasser in der Nähe von Steckdosen, Verteilern oder Elektrogeräten, lassen Sie den Strom im betroffenen Bereich von einer Elektrofachkraft abschalten und greifen nicht ins Wasser. Nehmen Sie Fotos für die Versicherung auf, bevor Sie aufräumen. Die Reparatur selbst gehört in die Hände eines eingetragenen Installateurs, mehr dazu finden Sie unter Rohrbruch und Wasserschaden. Gerade bei älteren Häusern mit Mauerwerk kann Feuchtigkeit lange unbemerkt bleiben und später zu Schimmel führen, daher sollte die Stelle gut trocknen.
So beugen Sie dem nächsten Frost vor
Die beste Hilfe ist Vorbeugung. Dämmen Sie freiliegende Leitungen in Keller, Dachboden und Nebengebäuden mit passendem Rohrisoliermaterial, und halten Sie Kellerfenster bei Frost geschlossen. In wenig genutzten Räumen kann eine niedrige Grundtemperatur verhindern, dass es dort einfriert. Planen Sie die Vorsorge am besten vor der Frostperiode, bevor die ersten Nächte frostig werden. Dann bleibt Zeit für Material und Einkauf, und Sie müssen nicht unter Druck arbeiten.
Außenhähne sollten vor dem Winter abgesperrt und entleert werden. Besonders gefährdet sind Scheune, Stall und Garage, wie der Beitrag Scheune und Stall: Wasserleitung vor Frost schützen näher zeigt. Wer ein Haus längere Zeit nicht bewohnt, sichert die Leitungen am besten schon vor der kalten Jahreszeit. Auch Heizkörper in Nebenräumen auf niedriger Stufe laufen zu lassen, ist eine einfache Maßnahme, die in vielen Häusern genügt.
Nach dem Auftauen genau hinsehen
Auch wenn das Wasser wieder fließt, sollten Sie die Leitung in den folgenden Tagen im Blick behalten. Haarfeine Risse zeigen sich manchmal erst, wenn der Druck wieder voll anliegt. Prüfen Sie Wände, Boden und Rohre auf feuchte Flecken, Verfärbungen oder tropfende Verbindungen.
Der Wasserzähler gibt einen Hinweis: Lesen Sie ihn am Abend und am Morgen ab. Bewegt er sich, obwohl alle Hähne zu sind, geht irgendwo Wasser verloren. Dann sollten Sie das Ventil schließen und fachkundig nachsehen lassen. Wer unsicher ist, ob ein Schaden entstanden ist, ruft lieber einmal zu früh als zu spät an. Eine Fachkraft kann außerdem beurteilen, ob die Dämmung ausreicht oder ob an besonders gefährdeten Stellen nachgebessert werden sollte.
Wann Sie einen Fachbetrieb rufen sollten
Rufen Sie an, sobald Sie einen Riss, austretendes Wasser oder eine feuchte Wand entdecken, oder wenn die Leitung nach dem Auftauen nicht wieder frei wird. Auch wenn Sie nicht erkennen können, wo das Eis sitzt, hilft eine Fachkraft mit passendem Werkzeug. Schaden und Ursache beurteilt der vermittelte Fachbetrieb.
Häufige Fragen
Darf ich eine gefrorene Leitung mit heißem Wasser auftauen?
Davon raten wir ab. Heißes Wasser kann das Rohr durch den Temperaturschock zusätzlich belasten, besonders wenn es schon angerissen ist. Sicherer ist Wärme in kleinen Schritten mit Föhn oder warmen Tüchern.
Woran erkenne ich, ob das Rohr schon gerissen ist?
Sichtbare Wölbungen, Haarrisse oder Feuchtigkeit am Rohr sind Hinweise. Oft zeigt sich der Schaden aber erst beim Auftauen, wenn Wasser austritt. Beobachten Sie deshalb die Stelle während des Auftauens aufmerksam.
Wer repariert ein geplatztes Rohr?
Arbeiten an der Trinkwasserinstallation übernimmt ein eingetragener Installateur. Vermittelt wird ein selbstständiger Sanitär-Fachbetrieb aus der Region, der die Schäden aufnimmt und die Leitung instand setzt.